Koboldkärpfling
Gambusia affinis
von Mario Fassen
21.5.2020
Koboldskärpfling, im Ausland auch als Moskitofisch bezeichnet, gehören zu den lebendgebärenden Zahnkarpfen. Der wissenschaftliche Name lautet Gambusia affinis. Die meinigen Fische bezeichne ich als "Gambusia camargues", weil ich sie in der Camargue gefangen habe. Männliche Tiere haben eine spitze und weibliche eine runde Afterflosse, so wie wir das bei den lebendgebärenden Zahnkarpfen kennen. Ursprünglich wurde dieser kleine Kärpfling zur Stechmückenbekämpfung nach Europa geholt. Seine eigentliche Heimat ist das nördliche Mexiko und die südliche USA
Der Koboldkärpfling ist sowohl im Süßwasser als auch im Brackwasser zu Hause. Seine anfängliche Verbreitung in Südeuropa ist heute wieder rückläufig. Durch die Trockenlegung von Kleingewässern, Absenkung der Grundwasserspiegel und nachlassende Niederschläge, wodurch Kleingewässer umzukippen drohen, haben sich seine Bestände mancherorts stark reduziert. Die Toleranz, die man dem Koboldkärpfling gegenüber der Wasserqualität zuspricht, kann mißverstanden werden. Durchaus ist er in der Lage, mit geringer Wassermenge zu überleben, sogar in Pfützen, wenn sie nicht verdreckt sind. Bei diesen Pfützen handelt es sich um kleine Senken, die bei der Austrocknung eines Flusses oder Bachlaufes noch in den Grundwasserspiegel hineinreichen. Deswegen ist das Wasser in der Regel auch wegen der unterirdischen Wasserbewegung sauber. Der Fisch „weiß“ welche Pfütze austrocknet und welche nicht. Warum, das weiß keiner. In manchen Gegenden in der Provence, wo ich den Koboldkärpfling vor 20 Jahren noch überall angetroffen habe, finde ich ihn, der Trockenlegung von Kleingewässern wegen, heute nicht mehr. Unter anderem sind dadurch auch die Bestände von Sumpfschildkröten verschwunden, wie z.B. bei Saint-Tropez.

Bild oben:
aufgenommen am Lac des Escarcets,
in der Nähe von F-83340 Le Cannet-des-Maures
Die Lieblingsspeise der Koboldkärpflinge sind Stechmückenlarven, und so kommt er bei mir im Sommer auch in der Regentonne zum Einsatz. Stechmücken finden dort ihren Lebensraum, wo Fische nicht überleben können, wegen der schlechten Wasserqualität oder Gewässern, die im Laufe des Jahres immer mal wieder austrocknen. Ein Gartenteich mit Fischbesatz kann zum Dezimieren von Stechmücken beitragen, wenn es keine sonstigen Wasserbehälter in der Umgebung gibt. Wasserbehälter sind die häufigsten Brutstätten von Stechmücken im Siedlungsbereich. Aber Bitte keine Fische in Amphibiengewässern aussetzen! Libellenlarven und Molche sorgen zur Genüge für ein stechmückenfreies Gewässer und mögen keine Fische, oder sie sind sogar deren Tod. Regenpfützen und fauliges Wasser sind die eigentlichen Brutstätten der Stechmücken. Ökologisch tragen deren Larven zur Reinigung der Gewässer bei. Wer Stechmückenlarven zum Füttern der Fische anziehen möchte, kippt sein Badewasser in einen Behälter und stellt ihn in den Garten. Vom Körperschweiß angelockt, finden wir am nächsten Tag bereits die Eier der Stechmücken auf der Wasseroberfläche schwimmen.
Koboldkärpflinge sind leicht zu vermehren. Die Weibchen benötigen einen Ruhebereich, wohin sie sich zum Gebären ihrer Jungen zurückziehen können - und Pflanzen, in denen sich die Jungen verstecken dürfen. Mehr Aufwand ist nicht notwendig.
Anderen Fischen gegenüber verhält sich der Koboldkärpfling sozialverträglich. Untereinander jagen sich die Fische gerne spielerisch. In Wildgewässern tritt er meist in Schwärmen auf. Nur die gebärbereiten Fische stehen etwas abseits, damit die Jungen nicht gleich wieder von der eigenen Art aufgefressen werden. Wie ich beobachten konnte, sortieren sich die einzelnen Fischschwärme nach der jeweiligen Generation.
Bepflanzte Speiskübel, eignen sich sehr gut zur Vermehrung und Haltung der Fische im Freien. Sind die Kübel nicht in der Erde versenkt, legen wir in die Kübel große Steine, um starke Wassertemperaturschwankungen zu vermeiden. Ab April bis Ende Oktober fühlen sich die Koboldkärpflinge in solchen Kübeln wohl. Ist die Wasserfläche groß genug, muß nicht zugefüttert werden. Der Anflug von Kleinstinsekten und Blütenstaub reicht zur Ernährung vollkommen aus. Gerne halten sich die Fische im flachen Wasserbereich auf, möchten aber zur Flucht im Hintergrund tiefere Stellen nicht missen.
Ihre Jungen gebären die Fische meist im Frühjahr, bis in den Sommer hinein. Im Herbst und Winter kommen auch im Aquarium nur wenige bis gar keine Jungen mehr zur Welt.

Zum Überwintern werden bei mir die Koboldskärpflinge in ein Gesellschaftsbecken mit Tropenfischen verfrachtet, in dem sie sich mit allen Fischen sehr gut vertragen. (https://www.youtube.com/watch?v=OaYImrZXlBo) Auch wenn der Koboldkärpfling Temperaturen bis zu 4 C° aushalten soll, fängt er bei unter 10 C° an, sich unwohl zu fühlen. Fische, die lange Zeit Temperaturen unter 10 C° ausgesetzt sind, schwächeln und sterben dann. Niedrige Wassertemperaturen sind sicher ein Grund, warum Ansiedlungsversuche am südlichen Rhein, der Stechmücken wegen, gescheitert sind. Allerdings muß hinzugefügt werden, daß die im Freigelände zurückgelassenen Fische die Wintermonate 2018/19 und 2019/20 gut überstanden haben und daraus eine gesunde Population entstanden ist. Insgesamt entwickeln sich die Fische im Freigewässer wesentlich besser als in einem Aquarium. Wichtig im Freigewässer ist eine sonnenbeschienene äußerst flache Uferzone, welche die Fische bei jedem Sonnenstrahl unverzüglich aufsuchen.

Wer Koboldkärpflinge kaufen möchte, findet nicht leicht einen Händler. Zumindest habe ich noch keine Fische zum Verkauf in einem Geschäft angeboten gesehen. Warum aber nicht einmal mit dem Auto in den Süden fahren. In Frankreich, in der Camargue, werdet Ihr sicher fündig. Aber nicht an den Salinen. Das Wasser ist dort viel zu salzig.
Mit einem kleinen Kescher in der Hand und etwas Geschick, sind die Fische schnell gefangen. Mehr als drei Fische auf einen Liter Wasser sollen nicht transportiert werden. Ein teilweiser Wasserwechsel einmal am Tag ist von Vorteil. Hohe Temperaturen im Sommer lassen das Wasser schnell schlecht werden. Das Wasser, aus dem die Fische entnommen wurden, enthält oft Schwebeteile, die zum Umkippen des Wassers beitragen. Tote Fische müssen unverzüglich aus dem Transportbehältnis entfernt werden. Am besten mit einem durchsichtigen Schlauch, mit dem man den toten Fisch anzieht. Auf meiner Reise wechsle ich immer mal wieder das Wasser an Bächen und Quellen. So robust sind die Fische auch wieder nicht, was die Wasserqualität betrifft, wie das allgemein beschrieben wird. Günstig erweist sich ein kleiner Kohlefilter, der über die Autobatterie während der Fahrt betrieben werden kann. Z.B. mit einer Scheibenwischwasserpumpe. (Kohle in eine Socke füllen, die zweite Socke über die Pumpe stülpen und in die Socke mit der Kohle stellen und oben zubinden.) Das handelsübliche Fischfutter nehmen die Koboldkärpflinge unmittelbar an. Hier bevorzuge ich allerdings das Futter der Firma DRAK-Aquaristik, von Herrn Andreas Kremser, weil ich dort ein Futter ohne künstliche Farbstoffe zu kaufen bekomme. Das ist keine versteckte Werbung. Es gibt sicher noch andere Fischfutterhersteller, die gutes Futter bereitstellen. Die üblichen Futterhersteller verwenden mir zu viel Chemie. Mit etwas Achtsamkeit sind die Fische unproblematisch mit nach Hause zu nehmen und dauerhaft zu halten.

Wer die Fische im Sommer in den Gartenteich setzen möchte, wird im Herbst Schwierigkeiten bekommen, um sie alle wieder einzufangen. Die Fische entwickeln schnell eine Scheue, die sie in der Tiefe abtauchen läßt. Lockstellen durch eine Wärmequelle werden zwar angenommen, aber auch schnell wieder aufgegeben, wenn Gefahr für sie droht. Setzkescher können zum Einsatz kommen. Fische sind aber kluge Tiere und durchschauen schnell die angewendeten Tricks!

Bei Fragen: Mario Fassen Tel: 0033F388A543A179 Mail: kobold@fassen.de

Es stehen keine Fische zum Verkauf, noch beabsichtige ich mit der Seite einen gewerblichen Hintergrund, weshalb auf dieser Seite ein Impressum fehlt.
Was ich suche sind Fische mit Flossenfäule und Pilzerkrankungen auf der Haut, um zwei Heilpflanzen auf ihre Wirksamkeit hin zu bestätigen.